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SPLIT/SECOND: VELOCITY

Pusbisher: Disney Interactive

System: PS3 (Test), XBox 360, PC

wertung: 8,5 von 10



   

Ehrlich gesagt sind Racer nicht so mein Ding - zumindest die, bei denen geschraubt und akurat gefahren werden muss. Wenn Musik (will sagen: Action) drin ist, sieht das schon wieder anders aus. Und bei "Split/Second: Velocity" sieht das ganz anders aus, denn es ist eine ungefähr 128-köpfige Marschkapelle drin.

Folgendes Szenario: Wir befinden uns in einer TV-Sendung. In der geht es darum, mit einem Rennwagen das Erster und vor dem halben Duzend Gegner über die Ziellinie zu fahren. Klingt öde? Ist es nicht. Links, rechts und über der Strecke finden sich alle Arten von Dingen, die einem Speedfreak das Leben schwer machen können. Da fliegt ein Heli mit einem Container über der Strecke, an Gebäuden ist Sprendstoff befestigt, ein riesiger Kran schwenkt seine ebenso große Schaufel, direkt neben einem Tunnel steht sowas wie ein Boot-Katapult und so weiter. Die Gerätschaft steht nicht umsonst da. Mit gekonnten Manövern wie Fahren im Windschatten, Drifts und langen Sprüngen ladet ihr eine Leiste auf. Sie ist in drei Sektionen aufgeteilt. Ist ein Drittel gefüllt, kann ein so genanntes Powerplay ausgelöst werden. Über jedem Auto vor euch, dass einen Trigger passiert, fängt eine Markierung an zu leuchten. Drückt ihr schnell die X-Taste, löst das ein Event aus: Der Heli lässt den Container fallen, das Gebäude wird gesprengt, ... Wenn der Vordermann da nicht aufpasst und ausweicht, hat er ein Problem und wird von der Explosion weggeblasen oder kracht mitten ins Haus, Boot, was auch immer. Das kostet aber kein Leben, sondern Zeit. Ein so Demolierter findet sich schnell am Ende des Feldes wieder - und hat so seinerseits die Chance, die Gegner in die Luft bzw. aus der Bahn zu jagen. Im besten Fall krachen gleich mehrere Besserplatziere ins Chaos. Im schlechtesten Fall schafft es jeder von ihnen, dem Powerplay auszuweichen und man düst selbst mit voller Wucht in das Event, das man selbst ausgelöst hat. Kann passieren, dumm gelaufen dann.

Genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn die Option, das Powerplay zu zünden, ist eben nicht immer ein Garant für einen Vorteil. Ein schlechtes Timing bringt einen ganz schön in die Bredulie. Andererseits kann man sich auch das Powerplay noch bis kurz vor Schluss aufheben, um das Feld im letzten Moment von hinten aufrollen. Dann lebt man eben mit der Gefahr, die Schnelleren nicht zu erwischen oder an eine Stelle zu kommen, bei der der Trigger schon gezündet wurde. Auch da dann: Dumm gelaufen.

Als ob das nicht für genug Adrenalin sorgen würde, gibt es noch ein Level 2 Powerplay. Sind alle drei Sektionen voll, besteht die Möglichkeit, die komplette Strecke neu zu gestalten. Das Zeichen dafür erscheint nur an ganz wenigen Orten, doch wenn mans da krachen lässt, kracht es richtig. Es stürzen die gewaltigsten Bauwerke der "Kulisse" ein und formen dadurch einen anderen Weg. Das ist jedes Mal richtig gewaltig, eindrucksvoll und hat man so noch nicht gesehen. Natürlich nutzen sich diese beeindruckende Momente und deren Schauwert schnell ab, weil die abwechslungsreich gestalteten Strecken in der Anzahl überschaubar sind. Trotzdem braucht es ein Weilchen, bis man wirklich alle Raffinessen am Wegesrand intus hat.

Die TV-Sendung ist in 11 Folgen aufgeteilt. Das bedeutet 11 Strecken. Nicht gerade viel, aber innerhalb einer Folge gibt es immer mehrere Rennen und Rennarten. Neben dem herkömmlichen Rasereinen finden man noch Knock-Out-Tournaments oder auch Zeitlimit-Herausfoerderungen , bei denen ihr so nebenbei außer auf das Zeitlimit noch auf die Raketen achten müsst, die von Kampfhelis abgefeuert werden. Sektakulär ist vor allem "Überleben", denn da gilt es, Trucks zu überholen, die explosive Fässer verlieren. Gegen die unberechenbar umherspringenden Fässer und das Feld zu bestehen, verlangt fahrerische Klasse.

Je besser ihr bei den einzelnen Rennen abschneidet, umso mehr Punkte ergattert ihr. Eine bestimmte Anzahl schaltet neue Modi oder auch ein weiteres Gefährt frei. Die 27 lizenzfreien Karren unterscheiden sich sowohl optisch als auch von ihren Eigenschaften nicht sooo großartig, aber sie sind da. Der eine Bolide hat mehr PS, der zweite hat besseres Driftverhalten oder ist resistenter gegen die Explosionen. Die Wahl des Gefährts ist also durchaus von Bedeutung. Und für den Mehrspieler erst recht.

Nur die im Singleplayer freigespielten Auto-Typen stehen auch im Online-Modus gegen PS3-Fahrer zur Verfügung. Das ist durchaus ein Anreiz, sich in durch die Einzelkampagne zu wühlen. Wer keine gute Karre hat, wird kein Land sehen. Die Modi sind die gleichen wie in der Kampagne, die man zu mehreren absolviert. Es ist etwas weniger dynamisch, da es auch alternative Routen gibt, die erst mal gefunden werden wollen. Auf der anderen Seite enfällt die Gummiband-KI, die die Gegner im Solospiel immer wieder ranzieht. Bis zu 8 Renner können online und 2 per Splitscreen auf einem Monitor an- und aufs Gas drauftreten. Ein bisschen Posen dürft ihr da auch, denn die Trophäen und Bestleistungen, die ihr geschafft habt und mmer wieder für Motivationsschübe sorgt (man will ja immer alles haben), werden als Aufkleber an euren Autos angezeigt. Fans von schnellen, lauten und krawalligen Snacks für Zwischendurch werden allerdings hervorragend bedient.

Visuell gibt's bei allen Strecken überhaupt nichts zu meckern. Schöne Blend-Effekte, stylische sowie dynamische Farbgebungen während des Rennens und viel Unschärfen-Einsatz - da wird einiges geboten. Die Kamera wackelt nach bester Hollywood-Verfolgungsjagt-Manier, wenn man von den Hintermännern auf Korn genommen wird und jeder Powerplay-Effekt sieht einfach klasse aus. Schade, dass es kein echtes Schadensmodell für die Rennwagen gibt. Entweder es sieht aus, als käm es gerade aus dem Laden, oder man sieht es in tausend Teile zerspringen. Besonders gelungen ist das HUD, das quasi ans Heck montiert wurde. Keine Geschwindigkeit, keine Drehzahlen, nur Rundenzahl, Position und Powerplay-Anzeige. Mehr brauch kein Mensch. Der Sound steht dem in nichts nach. Während Motoren und Hintergrundmusik etwas dünn klingen, bringen die kernigen Instrumentals (keine bekannten Tracks) die Boxen zu wackeln. Einfach herrlich, wenn unter wütendem Gebrüll ein halber Berg detoniert und man selbst kurz etwas perplex ist, was man alles anrichten kann.

Fazit:

Hat man schon mal ein Racer gesehen, in dem ein Flugzeugträger die Gegnerschaft unter sich begräbt? In dem man auf einer Rollbahn brettert, auf der gerade ein Jumbojet notlandet? In dem man von Raketen beschossen wird? Eher nicht. Nein, ganz bestimmt nicht! Das ist nicht nur kreativ, das sieht auch noch fett aus. Irgendwann hat man mal alles gesehen, trotzdem ist es einfach beeindruckend. Die Powerplays bringen ordentlich Taktik in die Rennen. Es hätte mehr Abwechslung bezüglich Autos und Strecken vertragen können, doch für eine schnelle Partie auch noch nach Beendigung der Solokampagne ist "Split/Second: Velocity" immewr gut. Mit dem Multiplayer ist langer Spielspaß ohnehin sicher. Übrigens gibt für alle Versionen eine Demo. Die solltet ihr euch auf jeden Fall ziehen und ihr werdet auch merken: Da ist Musik drin!


Der Link zum Spiel - so rasant wie das Spiel selbst: http://disney.go.com/disneyinteractivestudios/splitsecond/