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BIOSHOCK 2

Pusbisher: Rockstar / Take2

System: PS3 (Test), XBox 360

wertung: 9,5 von 10



   

Der Wilde Westen, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 190X. Dies sind die Abenteuer von John Marston, der für die US-Regierung ganz schlimme Garnoven dingfest macht, um sein Leben als Outlaw endgültig hinter sich zu bringen. Viele Reitstunden von seiner Frau und seinem Sohn entfernt, dringt er in Landschaften vor, die nie ein Gamer so zuvor gesehen hat.

Der abgewandelte „Enterprise“-Vorspann fasst eigentlich alles zusammen, was „Red Dead Redemption“ ausmacht. Rockstar hat ein Spiel entwickelt, das sämtliche Klischees eines Westerns erfüllt. Und das ist nicht abfällig gemeint – im Gegenteil: Es liefert genau das, was man von einem Cowboy-Epos erwartet. Das fängt schon beim Protagonisten an. Marston ist eine coole Sau mit Hut, der früh zum Waisen und von einer Gang aufgenommen. Die haben ihn ziemlich verdorben und er geriet auf die schiefe Bahn. Doch er bekam die Kurve noch und will sich mit der Familie niederlassen. Dummerweise hängt ihm seine Vergangenheit nach und die Behörden kennen seine Geschichte. Sie stellen ihn vor die Wahl, für sie zu arbeiten und ihnen seinen alten Bandenkompagnon Williamson zu liefern oder sich von Frau und Kind zu verabschieden. Also schnallt er sich seinen Pistolengürtel um und macht sich auf dem Weg in den Bundesstaat New Austin. Doch statt Williamson schnell den Garaus machen zu können, hat der sich neue Gefolgsleute gesucht, in einem Fort verschanzt, ballert Marston nach 2 Minuten Spielzeit nieder und der Abspann läuft.

Natürlich nicht. Marston wird von einer Farmerin gerettet, die ihn versorgt und über die Realitäten in New Austin aufklärt. Sie zeigt ihm die Basics und sagt ihm, was er tun muss, um Williamson doch noch zu erwischen. Dass das nicht einfach wird, ist klar. Der Weg zum Fiesling führt über Gefallen, Gefährten und Geld. Das erste gilt es abzuarbeiten, das zweite zu finden und das dritte zu machen. Erst wenn sich Marston als echter Cowboy bewährt, kann er sich der Unterstützung sicher sein, des es braucht, seinen Widersacher dingfest zu machen. Bis es soweit ist, gilt es, zahlreiche Abenteuer zz bestehen, die euch als Marston aus der Thrid-Person-Sicht gezeigt werden. Wie in einem Open-World-Spiel üblich, gibt es Haupt-, Neben- und zufällig generierte Missionen. Doch dieses Mal ist alles irgendwie realistischer. Die weitere Landschaft, die in drei Klimazonen liegt, hält Herausforderungen parat, die wir von Schinken mit John Wayne, Charles Bronson und Clint Eastwood kennen und lieben. In den Aufgaben, die die Story voranbringen, bringt einem Farmerin Bonnie das Wesentliche wie den Umgang mit Pferd, Vieh und Lasso bei. Mit diesem Wissen lässt sich später Geld verdienen, um Immobilien zu kaufen oder sich in Geschäften mit Nützlichem einzudecken. Bei den Leuten, die einem im Kampf gegen Williamson Hilfe versprechen, muss man schon mehr tun und häufiger das Schießeisen benutzen. Um Gesetzeshüter oder Gauner mit Insiderwissen zu betüddeln, gilt es, für sie Jobs zu übernehmen. Postzüge eskortieren, Bösewichte jagen, Typen verhauen, Gekidnappte befreien, Wettschießen, Wettreiten, Kühe hüten, Botengänge und so weiter, und so fort. Es scheint nichts zu geben, was es nicht gibt. Das ist bei den Nebenmissionen genauso. Da muss man schon mal für einen alten Mann Blumen pflücken oder einen ausgebüchsten Knaben nach Hause bringen, um sich beliebt oder einfach Kohle zu machen. Dazu kommen Events, in die man reinstolpert. Einer schreit um Hilfe, weil ein paar Häftlinge ausgebrochen sind; der nächste würde gern mitreiten, klaut dann aber euer Pferd. Einer vergreift sich einer an einer Lady oder ihr werdet mir nichts dir nichts zu einem Duell aufgefordert. Die Vielfalt der Missionen scheint unendlich zu sein – herrlich

So geht es in der Welt gerade weiter, wo an jeder Ecke eine Aktivität lauert, die einen vom eigentlichen Ziel ablenkt. Vor allem in den Saloons ist sie Verlockung groß, was Außerplanmäßiges zu tun. Glücksspiele jeder Art laden ein, ein kleines Weilchen an den Tischen zu verweilen. In den „Städten“ finden sich auch noch zum Beispiel auch noch Hufeinsen-Werfer oder . Lässt man sich auf die ein oder andere Partie an, kann es schon mal sein, dass Stunden vergehen, ohne wirklich im Spiel weitergekommen zu sein.

Weiterkommen geht im Allgemeinen nur mit Gewalt. So ist das eben im Wilden Westen. Ihr bekommt eine einfache Pistole und ein Messer mit auf euren Weg, für kleinere Reiberein reichen auch geballte Fäuste. Dazu könnt ihr euch noch bessere Pistolen, Gewehre, ein Lasso und Molotow-Cocktails erarbeiten, kaufen oder Toten abnehmen. Erster kleiner Kritikpunkt: Das Waffenmenü wird mit der oberen linken Schultertaste geöffnet. Die untere ist zum Ziehen und Zielen da. Da verrutscht man schon gerne mal. Im Menü selbst wählt man sein Werkzeug mit dem rechten Stick. Das ist in hektischen Situationen nicht einfach.

Das zweite Manko: Die Texte. Gesprochen wird im Original, deutsch gibt’s in Untertiteln. Das ist sehr gut so, denn so kommt das unglaublich geile Flair richtig rüber. Wenn allerdings gequatscht wird, während man etwa mit dem Gaul im Konvoi reitet, ist es schwer, den genialen Dialogen zu folgen. Zwar passt sich das Tempo des Pferds an, aber steuern muss man es noch. Lesen und kucken, wo’s hingeht? Problematisch. Zumal man die Leute ja nicht immer gut versteht, weil sie ganz hartes Südstaaaten-Englisch sprechen. Aber gut, irgendwie geht’s schon. Wirklich schwer werdet ihr es aber haben, wenn ihr an einem kleinen, vielleicht sogar Röhren-Bildschirm zockt. Die Schrift ist heftig klein und wenn ihr nicht 16:9 seht, werden die Seiten abgeschnitten. Auch Teile des HUDs sind nicht mehr zu sehen.

Das wichtigste Element des HUDs ist der Radar. Da gibt’s neben Markierungen, Wegen und besonderen Stellen noch die Navi-Funktion zu sehen, die euch an die Stelle bringt, die ihr in der großen Karte gekennzeichnet habt. Links neben dem Radar wird die Ausdauer des Gauls gezeigt, rechts davon eure Dead Eye-Zeit. Das ist eine Zeitlupenfunktion, die ein Klick auf den rechten Stick aktiviert. Damit zielt es sich wesentlich leichter. Aufgebrauchte Dead Eye-Zeit füllt sich nach einer Weile von selbst oder durch Treffer auf. Sehr hilfreich bei Duellen, wenn ihr schnell ein relativ kleines Ziel abknallen müsst oder gegen mehrere Cowboys mit Knarren. Ansonsten zielt euer Fadenkreuz bei jedem Ziehen der Waffe automatisch auf die Person, die dem Mittelpunkt des Bildschirms am nächsten ist. Niederballer und platt machen dürft ihr alles, aber es hat folgen: Es wirkt sich auf Ruhm und Ehre aus. Ruhm macht euch eben nur berühmt, aber die Ehre wirkt sich direkt auf das Spiel aus. Sei ihr nett, helft gern, ballert nicht einfach wild drauf los, spricht sich das rum und die Leute sind auch nett zu euch. Wenn ihr aber gemeine Sachen macht, bringt das zwar meist Geld oder Zeug, aber ihr werdet berühmt-berüchtigt und deswegen gefürchtet.

Das ganze Ereignis, das euch John Marston beschert, ist in einem unglaublich schönen Setting angelegt. Die Prärie und alles, was da so kreucht, fleucht oder geht, stellt man sich einfach so vor. Es ist einfach lebensecht. Von der Animation der Stinktiere bis zu den Canyons und von den Flirr-Effekt, dem man von heißen Tagen kennt, bis zum nächtlichen Sternenhimmeln, wenn die Sonne untergegangen ist. Gut, es gibt Grafikbugs, aber über die kann man wirklich hinwegsehen. Aber hört bloß nicht über was hinweg! Der Sound ist nämlich ebenso phänomenal. Nachts zirpen die Grillen, tagsüber kreischen die Adler. In der Stadt schnappt man immer Geräusche und Gespräche auf. So kommt ein echtes Mittendrin-Gefühl auf. Dazu kommen an passenden Stellen noch Musikstücke, die auch von Ennio Maorricone stammen könnten. Da sitzt man sich sogar mal ans Lagerfeuer und lauscht nur.

Als ob das nicht genug wäre, gibt’s noch einen Muliplayer obendrauf, der es in sich hat. Mit einem Knopfdruck landet ihr im freien Modus, der aus der Singleplayer-Welt besteht. Bis zu 16 Leutchen können sich dort wiederfinden, bis zu 8 können zusammen einen Trupp formen, um entweder gegen die Anderen zu batteln oder die dort verteilten Aufgaben wie Kisten zur Explosionen bringen oder Bandenverstecke auszuheben mit KI-gesteuerten Gegnern zu erfüllen. Das geht auch allein, aber in der Gruppe ist das dann doch leichter. Leider sind (zumindest zur Zeit) viele schießwütige Deppen unterwegs, die offensichtlich keine Gesellschaft wollen. Die sind in den klassischen Team- und Free-for-all-Modi besser aufgehoben. Deathmatches und Capture The Bag (ihr versteht) – da fliegen die blauen Bohnen. Lustige Idee: Im den Pausebildschirmen zwischen den Kämpfen kann sich geprügelt werden und die Auseinadersetzungen werden mit einem Duell mit allen Beteiligten eröffnet. Für eine stetige Motivation sorgen die Erfahrungspunkte, die man nach abgeschlossenen Aktionen erhält. 50 Erfahrungslevel gibt es, die jeweils neue Ausrüstungen, Reittiere, Kostüme und Charaktere freischalten.

 

Fazit:

Ich werde den Teufel tun und „Read Dead Redemption“ als „GTA“-Nachfolger bezeichnen. Das klingt so abfällig. Das Spiel hat es verdient, als eigenständiger Titel in den höchsten Tönen gelobt zu werden. Noch nie wurde ein Western besser in Szene gesetzt. Klar werden alle Klischees bedient, aber so will man das haben. Der Einfallsreichtum bei den Missionen, die fantastische Grafik und der immer passende Sound bzw. Slang in den Gesprächen machen dem Genre alle Ehre. Die angesprochenen Kritikpunkte im Gameplay sind zwar ärgerlich, verderben den Spielspaß aber nicht. In der Sandkastenwelt werdet ihr Stunden und Stunden verbringen, ohne dass es langweilig wird oder ihr eurem Ziel auch nur eine Schritt näher gekommen seid. Sehr, sehr geiles Spiel, dass sich Über-18-Jährige, sie gerne Schießeisen benutzen oder atmosphärische Titel genießen, auf keinen Fall entgehen lassen sollten.




Der Link zum Spiel: www.rockstargames.com/reddeadredemption