METAL GEAR SOLID 4 - GUNS OF THE PATRIOTS

publisher: konami

vö: 08.05.08

system: ps3

wertung: 9.2


   

machen wirs wie das spiel - einfach rein ins geschehen: nachdem man 10 minuten installiert und sich durch das prall gefüllte startmenü geklickt und einen der vier schwierigkeitsgrade von „kinderleicht“ bis „saumäßig schwer“ gewählt hat, startet ein intro, das man als das wahrscheinlich aufwendigste einführungsfilmchen in der geschichte der videogames. und es geht direkt in das neuste abenteuer von solid snake über – einem alten, nein: gealterten snake. graue haare, vokuhila, falten. das liegt aber nicht daran, dass 20 jahre seit snakes erstem autritt (auf der msx) vergangen sind. vielmehr leidet unser held an dem virus, das er, wie kenner schon seit dem ersten ps-teil wissen, mit sich herumträgt und sein lebensende vorzeigt erreichen lassen wird.

starker tobak, aber wie wir schnell erfahren, ist das leben 2014 ohnehin nicht sonderlich lebenswert. die ganze welt ist im krieg. private militärs kontrollieren die florierende kriegswirtschaft und schicken ihre maschinerien überall hin, um gegen die technik und armeen der anderen zu kämpfen. schließlich geht es darum, eigene interessen zu realisieren. snake will dem chaos ein ende setzen, zumal der kriegstreiber, der die auseinandersetzungen anzettelt und auf kommando sämtliche truppen gedanklich beeinflussen kann, kein geringerer als ein ganz alter bekannter (weiß wohl eh schon jeder, wer) ist. ohnehin treten massenweise charaktere auf, die in den vorhergegangen mgs-teilen eine rolle gespielt haben. ein echtes klassentreffen, bei dem in filmszenen, die den staunenden spieler gut eine stunde in ihren bann ziehen, praktisch alle offenen fragen geklärt werden, die sich im laufe der reihe ergeben hatten.

das alles geschieht in einer unheimlich dichten und episch-cineastisch erzählten story, die vor atmosphäre nur so strotzt. da geht dann das intro mit tutorial-elementen direkt in die eigentliche handlung über, in der sich snake sofort im einem mittelöstlichen kriegsgebiet mit angeheuerten söldnern beweisen muss. das ist schon nicht ohne, allerdings ist der beginn sinnigerweise als tutorial angelegt. die cpu hilft also bei der suche, die ersten kämpfe zu überleben, indem ihr schleichen oder töten lernt. nach einer viertel stunde dürfte jeder wissen, welche tasten wann gedrückt werden muss.

schon bald wird euch euer anzug erklärt, die wohl größte neuerung. bewegt sich der elite-soldat eine zeit lang nicht, nimmt er die farben der umgebung wie ein chamäleon an. sehr praktisch und beeindruckend umgesetzt. dann gibt es in snakes ausrüstung die neue augenklappe. sie agiert auf wunsch als vergrößerungsglas oder nachtsichtgerät. dazu kommt noch ein süßer kleiner roboter, der in erster linie als kommunikationsinstrument zwischen ihm und seinem freund und experte otacon fungiert. er kann aber auch als drohne verwendet werden, um eine gegend auszuspionieren. seine herkömmlichen waffen besorgt sich der graue herr entweder auf den schlachtfeldern oder geht zu einem waffenhändler, den er am anfang kennenlernt. das ist angewandte kriegswirtschaft und bildet sich deswegen auch sinnig in die story ein.

das gameplay hat sich im vergleich zu den vorgängern etwas in richtung action verlagert bzw. kann es actiongeladener spielen. dementsprechend zielt es sich aus der 3rd-person-ansicht jetzt besser. die bekannten radar-ausrufezeichen-entdeck-sequenzen gibt es immer noch, treten aber in den hintergrund, wenngleich das unentdeckbleiben wieder um einiges sinniger ist, als mit dem holzhammer loszustürmen. einmal auf eines der vielen kleine dinge getreten, die auf dem boden rumliegen und den held verraten, und die hölle kann losbrechen. das spiel kann nach wie vor durchgezockt werden, ohne salven aus maschinenpistolen abzufeuern, aber manchmal macht es zumindet sinn, die gegenüberliegenden seiten mit gezielten schüssen so anzustacheln, dass sie sich angreifen und man selbst unbemerkt aus der szene verschwindet. manchmal macht es dann doch sinn, bündnisse zu schmieden und die kollegen wie bei einem team-shooter anweisungen zu geben. dach spätestens bei den boss-kämpfen seid ihr wieder auch euch gestellt und müsst taktiken entwickeln, wie den schergen beizukommen ist. alle sehen klasse aus, alle sind fordernd und jedem mgs-jünger wird das herz ausgehen, wenn er neue und alte feinde trifft.

was snake-fans mit der zunge schnalzen lässt, sind für frischlinge so was wie (sehr teure) perlen vor die säue. ihnen entgehen verdammt viele anspielungen und insider-witze durch. ganz zu schweigen davon, dass es ihnen schwer fallen wird, der geschichte zu folgen. das stört zwar das spiel an sich in keinster weise, ist aber eben schade für die mgs-neulinge. wobei sie auch ohne background noch genug von dem etwas skurrilen japanischen humor abbgekommen. in welchem spiel kann man denn sonst noch ein porno-heft verwenden, um gegner abzulenken, bekommt man rheuma-pflaster zur heilung oder zeigt einen kameraden, der sich in die hose gemacht hat? herrlich.

wer sich tatsächlich im mgs-universum überfordert fühlt, ohne cutscenes einfach action und sowieso snake nach den rund 20 stunden dauernden solomissionen mal höchstpersönlich den garaus machen will, geht in den multiplayer. euer selbst zusammengebauter avatat darf sich gegen bis zu 15 anderen soldaten im deatmatch und team-deathmatch beweisen oder geiselnehmer bzw- -befreier spielen. ein besonderer modus ist die jagt nach snake, in der zwei verfeindete parteien den von einem spieler gesteuerten agenten jagen, der versucht, unerkannt zu bleiben oder die beiden gruppen mit gezielten aktionwn aufeinander zu hetzten, um die truppen platt machen oder aus einer heiklen situation entwischen zu können.

da es sich bei diesem text ja um eine kritik handelt, suchen wir jetzt mal kritikpunkte und jammern auf ganz hohem niveau. das spiel ist nicht eben farbenfroh. viel grau, viel braun. tja, regenbögen dürft ihr bei den teletubbies erwarten. dass die texturen manchmal (!) etwas (!) verwaschen wirken, ist zwar nicht schön, stört nun jetzt ebenso wie die kleinen ruckler und die hier und da schwache k.i. nicht wahnsinnig. die installationen wird den ein oder anderen vielleicht etwas nerven, aber 1. erhält man grafiken, die das offensichtlich notwendig machen und für das warten entschädigt und 2. sind die teilweise vorhandenen sequenzen die der installation ein hinkucker. außerdem erfordert es geduld, sich alle zwischensequenzen anzusehen. schade ist es tatsächlich, dass sich die missionen oft ähneln. ein wenig abwechslung von der von-a-nach-b-robberei hätte snake gut getan – obwohl er nicht mehr der beste auf den beinen ist.

von künstlerischen aspekt her mutiert „metal gear solid 4 – guns of the patriots“ durch die technik, die tiefe von handlung und charaktere sowie die präsentation mit einem bombastischen sound und stets stimmiger musik zur neuen referenz auf der ps3. hat man sich früher gewünscht, das games interaktive filme sind, ist dieser schritt jetzt vollzogen. und filme sind eben kunst. das aus den ersten teilen bekannte augenzwinkern geht dabei nie verloren. die kritischen untertöne zum thema krieg und heldenverehrung jedoch auch nicht. und das ist gut so, denn es macht einen wesentlichen teil der komplexität der genialen mgs-reihe aus. wie es aussieht, werden wir früher oder später mit teil 5 rechnen dürfen, aber wohl ohne snake. doch nach diesem emotionalen, mit höhepunkten gespicken grafik- und storytelling-feuerwerk hat er sich die rente nun wirklich verdient. deswegen endet meine meinung mit worten, die im zusammenhang mit diesem spiel sicher oft fallen: ganz großes kino.


die hammer-seite zum hammer-spiel: http://www.konami.jp/mgs4/de/index.html

Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Webnews Bookmark bei: Icio Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Power Oldie Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Reddit Bookmark bei: Jumptags Bookmark bei: StumbleUpon Bookmark bei: Furl Bookmark bei: Yahoo Bookmark bei: Spurl Bookmark bei: Google Bookmark bei: Blinklist Bookmark bei: Diigo