Für den Inhalt dieser Seite ist eine neuere Version von Adobe Flash Player erforderlich.

Adobe Flash Player herunterladen




 

JUST CAUSE 2

Pusbisher: Eidos / Square Enix


System: PS3 (Test),PC, XBox 360

Wertung: 8,4 von 10



   

Ja, ich habe vor einem gefühlten Jahrzehnt „Just Cause“ gespielt. Hängen geblieben sind Erinnerungen an sehr coole Stunts, an wilde Schießereinen, an einen nie enden wollenden Vorrat an Fallschirmen im Rucksack, sowie an ein Hauptcharakter, der aus dem Stand zwei Meter springen konnte und irgendwie ganz komisch gelaufen ist. Dankenswerterweise hat Entwickler Avalanche Rico Rodriguez in „Just Cause 2“ schöne Bewegungsanimationen verpasst – und die Action potenziert.

Rico ist ein puertoricanischer Hengst. Zumindest sieht er aus, wie einst Wrestling-Star Razor Ramon. Allein vom Namen passt das ja auch schon. Jedenfalls vermöbelt Rico seine Gegner nicht – schließlich ist er bei der „Agentur“, der verblümten Bezeichnung für die CIA. Da wird mehr geballert als gehauen. Und auch sein neuster Auftrag garantiert, dass seine Knarre nicht ungenutzt im Halfter bleibt: Er wird nach Panau geschickt, wo ein Tyrann das Ruder übernommen hat, der den Inselstaat mit eisner Hand und US-Know-How regiert. Früher haben die Amis die Regierung nämlich unterstützt, bevor unfreiwillig die Diktatur eingeführt wurde. Dem Machthaber soll ein Ex-Agentur-Mann zur Seite stehen, der als übergelaufen gilt. Dummerweise ist genau der der ehemalige Ausbilder von Rico, weswegen der Latino als geeigneter Agent ausgemacht wurde, um den Untergetauchten aufzuspüren und die Verhältnisse in Panau wieder geradezurücken. Doch schon beim Anflug geht was schief und noch bevor die erste Mission startet geht die Post ab.

Dieses Szenario bildet den Rahmen für das Sandbox-Spektakel. Die Agentur-Aufgaben treiben die Story voran, aber auch ohne die gibt es auf der riesigen Hauptinsel und ihren kleinen Ablegern viel zu sammeln, zum Gas geben oder einfach platt zu machen. Das erfolgreiche Absolvieren der Sidequests sorgt dafür, dass sich Ricos Waffen- und Fahrzeugarsenal ständig vergrößert und verbessert. Am Anfang seid ihr mit dem Nötigsten ausgestattet: einer Knarre, einem Rucksack mit einem nie enden wollenden Vorrat an Fallschirmen und einem Unterarm-Manschette, an dem ein Enterhaken samt seeehr langem Stahlseil montiert ist. Olle Armbanduhren mit Laser sind eben out. Als Grundausstattung reichen die drei Dinge völlig. Den Parashoot benötigt man natürlich, wenn sich Rico in Tiefen stürzt. Den Haken könnt ihr in Objekte feuern und wenn sich das Seil einrollt, werdet ihr automatisch an den Treff-Punkt gezogen. Die beiden Gadgets lassen sich mit ein wenig Übung hervorragend kombinieren. Wer beim Aufrollen in Richtung des getroffenen Objekts schießt und dann den Fallschirm aufmacht, geht durch den Auftrieb in die Luft und ganz woanders hinsteuern. Gleichzeitig lässt sich der Haken auch als Waffe verwenden. Trifft man damit einen Feind, wird er gepackt und zu Boden geworfen. Im Verlauf des Spiels lässt sich der Enterhaken modifizieren und dann ist es möglich, Frießlinge an Wände zu tackern oder an einem Hubschrauber festzumachen. Super-lustig. Auf realistische Physik wurde dabei keine Rücksicht genommen, der Fun steht vorne an.

Wenn ihr eher auf die klassischen Varianten der Feind-Entledigung steht, könnt ihr auf Massen von Ballerwerkzeugen und Granaten zurückgreifen. Damit sorgt ihr für das Wichtigste in Panau: Chaos. Da die Uber-Mission ja die Absetzung des Herrschers ist, müsst ihr in dem Land für chaotische Zustände sorgen, indem ihr Regierungseigentum zerstört. Je größer, desto mehr Punkte. Oft wird eine gewisse Punktzahl vorausgesetzt, um einen Agentur-Auftrag zu bekommen und damit die Geschichte weiterzuführen. Also werden Öltanks, Statuen und staatliche Einrichtung in ihre Einzelteile zerlegt. Alternative könnt ihr die Score hochtreiben, indem ihr mit einer der drei Gangs kooperiert und ihrerseits an die Macht gelangen wollen. Haben wir ihnen geholfen, vergrößert sich ihr Einflussbereich. Innerhalb dieses Radius bekommt ihr dann Beistand von den Gang-Mitgliedern, wenn die Polizei eine Verfolgungsjagd startet o.ä. Neben Chaos und Hilfe bringt die Aktionen, wie die anderen Nebenmissionen auch, Geld ein. Damit lassen sich vom freundlichen Schwarzmarkthändler viele schöne Sachen wie Schießzeug und Vehikel besorgen. Und wenn man sich die Kohle sparen will, wird ein Fahrzeug einfach gehighjackt. Das erfordert Geschick, denn die Fahrer und Beifahrer wehren sich nach Kräften und man muss an Autos hängend mit dem Analogstick den Kugeln der Fahrern und Beifahrern ausweichen.

Und schon sind wir bei der Steuerung: Die geht, soweit man wie erwähnt Übung hat, recht einfach von der Hand. Die Schuss-, Sprung-, Waffenwechsel-, Gleitschirm-Tastenbelegung ist logisch, kann aber auch gewechselt werden. Es ist nut problematisch, aus einem Fahr- oder Fugzeug ein Ziel anzuvisieren. Zwar dockt das Fadenkreuz an einem zu treffenden Objekt an, wenn es in direkter Nähe ist, doch durch die Bewegungen verliert man den Punkt leicht wieder. Ansonsten kann man die tollsten Stunts machen, wenn die Möglichkeiten von Enterhaken, Fallschirm und Krawallmachern im Griff hat. In der offenen Welt lässt sich damit viel anstellen.

Grafisch reißt Panau keine Bäume aus. Das Problem ist, dass man als Spieler in letzter Zeit unglaublich verwöhnt wurde. „Uncharted 2“- oder „CoD:MW2“-Nivaeu errecht das Action-Abenteuer nicht. Allerdings sollte man ihm daraus keinen Strick drehen. Bei der Größe der Insel sollte es kaum verwunderlich sein, dass alles zwar richtig gut, aber eben nicht supertoll aussieht. Bei 1000 Quadratkilometern Fläche (!) und 300 Locations (!), die ohne Ladezeiten einfach immer da sind (!!!), ist das verzeihbar. Die Zwischensequenzen und die teils leblose Umgebung hätten vielleicht ein paar Modellierungen mehr vertragen. Dafür gibt’s Tag- und Nachtwechsel sowie ein Wettersystem und Klimazonen. Hier und ab bremsen Slowdowns und aufpoppende Landschaftsteile den Spielspaß etwas. Aber nicht in einem Maß, dass einem die Laune versaut wird. Und die ist dank abwechslungsreicher Quests (vom Wettrennen mit Speedbooten bis zum Abschuss einer Rakete mit dem Düsenjäger) immer sehr gut. Die deutsche Syncho ist gelungen, der Sound insgesamt könnte ein wenig brachialer sein, wobei es schon ordentlich kracht, wenn etwas Größeres in 1000 Teile zerfällt.

 

Fazit:

Wer auf Realismus steht, ist bei „Just Cause 2“ völlig falsch. Hier geht’s von der ersten Minute an um Fun und Action. Filmreif wird Ricos Feldzug inszeniert, seine Stunts sind wahnwitzig. Kleine Defizite in der Grafik und Story-Schwächen machen die satirischen Anspielungen, das Flair von Panau und die Freiheit, die das Land bietet, wieder wett. Die Insel an sich ist der eigentliche Hauptdarsteller, in dem es mehr zu entdecken gibt, als die Missionen zeigen. Deswegen fesselt das Spiel auch für wirklich lange Zeit. „GTA“ goes Tropical Island.



Der Link zum Spiel: www.justcause.com