FAR CRY 2

pusbisher: ubisoft

vö: 23.10.08

system: ps3 (test), xbox 360, pc

wertung: 8.9 von 10


   

ist es journalistisch korrekt, das fazit am anfang eines tests vorwegzunehmen? eher nicht. wie soll denn da ein spannungsbogen zustande kommen? egal. ich machs trotzdem. ich kann mich aber auch recht kurz halten: „far cry 2„ ist ein ziemlicher hammer!

da seid ihr nun, im schönen – nein: bildschönen afrika. um euch herum wüste, savanne oder dschungel, mit glück seht ihr exotische tiere, dazu kommen lehmhütten aus toll aussehendem stroh. eigentlich genau das richtige für eine fotosafari, dummerweise seit ihr aber nicht hier, um bilder, sondern aus eurer wumme zu schießen. ihr spielt nämlich einen söldner, der in ein fiktives land auf dem schwarzen kontinent geschickt wird. durch eine lange, bewaffnete auseinandersetzung der beiden, dort herrschenden clans ist das so malerische land gebeutelt. ihre waffen bekommen die parteien von einem typ namens „der schakal“, der seine kleinen und großen baller-spielzeuge an den meistbietenden verhökert. er droht den staat endgültig ins chaos zu stürzten, weil ihm das leid der bevölkerung am popo vorbeigeht und die ganze region destabilisiert. deswegen muss der mysteriöse handlanger des todes weg.

und ausgerechnet der von euch gespielte söldner soll das übernehmen. kein schwein kennt ihn und hält ihn für noch so einen, der aus der situation des landes profit schlagen will. dementsprechend ist der respekt, der ihm von den clan-mitgliedern und wer sonst so rumläuft, entgegengebracht wird, anfangs gleich null. außerdem hat die arme sau auch noch malaria und darf pillen schlucken. ihr werdet also nicht unter den besten umständen auf den schakal losgelassen – und fallt ihr ihm in die arme. obwohl er weiß, dass ihr ihn töten wolltet und ihr der krankheit wegen nur geschwächt in einer ecke kauernd euer schicksal erwartet, lässt er euch am leben. schon seltsam.

wieder zu kräften gekommen, geht das spiel erst richtig los. allerdings wisst ihr jetzt nicht so recht, was ihr eigentlich machen sollt. den schakal umnieten, obwohl er euch verschont hat? nein. ihr wollt herausfinden, was in diesem namenlosen staat tatsächlich abgeht und ob der waffenhändler wirklich die letztendlich kriegstreibende kraft ist. also verschlägt es euch nach pala, der einzigen stadt, in der die verfeindeten gruppen apr und uffl einen waffenstillstand vereinbart haben. genau der richtige ort, um informationen über die parteien zu sammeln, sich von ihnen anheuern zu lassen und so diamanten zu bekommen, mit denen bessere waffen oder waffenverbesserungen besorgt werden können. so wird pala euer inoffizielles hq und der ausgangspunkt für die meisten missionen, die ihr bis zur aufklärung der story bewältigen müsst.

das bringt uns gleich zu einem leider recht unerfreulichen thema: die missionen bestehen zum größten teil darin, jemanden kalt zumachen oder etwas zum explodieren zu bringen. die zielobjekte sind meist erst nach minutenlanger jeep-fahrt zu erreichen. unterwegs wird man überfallen oder muss grenzsoldaten ausschalten, die, einmal kurz weggegangen, sofort wieder respawnen. oder aber ihr benötigt pillen gegen malaria. dann müsst beim untergrund aushelfen, der zwischen den parteien sitzt und deswegen von beiden gejagt wird. dazu kommen noch nebenquests von dritten, die uns bei dem hauptquest helfen, wenn wir ihnen wiederum eine hand leihen. viel mehr ist da nicht und das ist mehr als schade, denn bei einer unglaubliche 50 quadratkilometer großen, frei begebaren welt, sollte mehr drin sein. und bemerkenswerterweise ist es dem spiel egal, ob ihr in der aufgabe zuvor 20 mann von der partei umgenietet habt, von der ihr die aktuelle mission bekommt. es gibt keine konsequenzen.

die action selbst ist allerings nicht von schlechten eltern. die schießereien sind sehr gut in szene gesetzt und dank einer guten, wenngleich mit ab und an auftretenden aussetzern ki fordernd. sterben werden shooter-freunde eher selten. mit hilfe von spritzen kann man sich energie nachinjizieren und wenns nach einem schusswechsel mal ganz schlecht aussieht, holt sich unser anti-held auch mal selbst kugeln aus dem körper. das tut schon beim zusehen weh. die 28 waffen, die dabei zum einsatz kommen, tragen ihren teil bei, alles etwas intensiver zu machen. nicht nur, weil abgenutzte ballerwerkzeuge mitten im gefecht gerne mal eine ladehemmung haben. sie klingen sehr realistisch. vom stottern der uzi bis zum abfeuern des raketenwerfers wird ein sound erzeugt, wie man ihn sich eben so vorstellt. selbst das metallerne scheppern der machete macht sich gut. der von ubisoft oft erwähnte flammenwerfer faucht ebenfalls furchteinflößend. man hat ja immer damit geworben, feuer als tatisches instrument einsetzen zu können. das geht manchmal wirklich und treibt gegner in eine richtung, in der sie dann leichtere beute werden. aber die geweckten erwartungen werden manchmal nicht erfüllt, da der brand nur dann zum flächenbrand und somit zum indirekten helfer wird, wenn er explosionen auslöst, also benzinkanister oder autos erreicht. andernfalls geht er, auch auf den trockensten grasflächen, einfach aus.

was die story vermissen lässt, macht die grafik größtenteils wieder wett. ihr werdet mit offenem mund die landschaft betrachten, die einfach nur lebendig und real wirkt. hier tiere, da ein fluss, blend- und blurr-effekte, die explosionen zuweilen gigantisch, die texturen meist sauber und die bewegungen immer flüssig - und die vegatation der verschiedenen regionen gehen nahtlos ineinander über. der dynamische tag/nacht-wechsel mit den lichtwechseln und die wettereffekte hat man so noch nicht gesehen. die hintergrundgeräusche und der soundtrack tragen ihren teil zur stimmigen atmosphäre bei. nur schade, dass die deutsche syncro leider nicht so gelungen ist, wie die original-vertonung. während die schwarzen hier englisch mit akzent sprechen, ist die deutsche sprachausgabe eher konservativ.

der multiplayer birgt keine überraschung. bis zu 16 online-gamer müssen sich für eine von sechs klassen entscheiden und können dann capture the flag diamond, (team) deathmatch oder uprising zocken. bei letzterer variante wird ein spieler im team durch die cpu zum captain ernannt und muss drei punkte auf der karte einnehmen. erst wenn alle basen erobert sind und der gegnerische anführer ausgeschaltet wurde, gewinnt das team. keine wirklich revolutionären modi, dennoch durchaus ein grund, das spiel auch nach den 20 stunden, die man mit der singleplayer verbringt, wenn man alle missionen durchzockt, aus dem schrank zu holen. wenn euch im entwickler-land zu wenig los sein sollte (oft ist die savanne doch sehr karg), habt ihr im vielspieler einen editor, mit dem ihr euer eigenes afrika basteln und es als spielplatz nutzen könnt.

„far cry 2“ ist nichts für zartbesaitete. moralisch fragwürdige aufträge und blutspritzer sind an der tagesordnung. umso bedauerlicher, dass die handlung in teilen blutleer daherkommt. neben den nervigen respawns ist das der hauptkritikpunkt. und trotzdem ist das spiel für fans des genres und alle, die sich vorstellen könnten, es zu werden, ein must-have! an den entscheidenden stellen macht es einfach spass und zeigt, was derzeit technisch möglich ist. am gameplay gibt es nicht viel auszusetzen, die atmosphäre stimmig und die grafik mit opulent zu beschreiben wäre untertreiben. sie ist eine augenweide. oder besser: augensavanne.

fette seite: http://farcry.de.ubi.com/experience/