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BIOSHOCK 2

Pusbisher: 2K GAMES

System: PS3 (Test), XBox 360

Wertung: 8,5 von 10



   

Rapture, die Unterwasserstadt für die Elite der Welt, hat uns wieder. Dieses Mal werden wir jedoch nicht zum Big Daddy, einer bärigen Kampfmaschine im Taucheranzug – wir sind schon einer. Und wir machen unseren Job: Wir sind „Objekt Delta“ und schützen eine Little Sister, eine genetisch verändertes Mädchen, dass die Droge Adam aus toten Körpern saugen kann. Der Kampf um Adam führte zu einem Bürgerkrieg, der Rapture schwer ramponiert hat. In einer relativ kurzen Sequenz, die beim ersten Start übrigens nach einer stattlichen Installationszeit losgeht, wird gezeigt, was passiert als Delta auf einmal aus seinem Leben gerissen wird: Eine Dame „bittet“ uns, unseren Helm abzunehmen, eine Knarre an den Kopf zu halten und abzudrücken. Da der Protagonist so getrimmt wurde, dass er sämtlichen Bitte nachkommt, tut er das auch. Tot ist er allerdings nicht. Er erwacht nach Jahren aus dem Koma und macht sich auf die Suche nach der Frau, sowie seiner Little Sister Elenor. Wie sich kurz nach der Wiederauferstehung zeigt, ist die Frau Sophia Lamp, und nicht weniger als die Chefin von Rapture ist, die mit Elenor ihre eigenen Pläne hat.

Da „Bioshock 2“ nicht direkt an die Ereignisse vom Vorgänger anknüpft, ist es eigentlich auch für Einsteiger nicht schwer, bei den mitunter etwas komplexen Ereignissen in Rapture den Durchblick zu behalten. Klar brauchen die alten Hasen keine Erklärung für das, was abgeht und welche Kreaturen ihr Unwesen treiben. Noch vorne getrieben wird die Geschichte in erster Linie von den bekannten Tonbändern, die überall rumliegen und nach und nach verraten, was eigentlich abgeht. Sie wird der Spieler Stück für Stück schlauer und beginnt, Zusammenhänge zu erkennen. Auch vereinzelte Skrip-Szenen sind als Erklärstücke oder Hinweis auf bestimmte Abläufe eingebaut. Sie fügen sich nahtlos und deswegen sehr gut in die Story ein.

Nicht selten endet eine vorgerenderte Sequenz im Meer. Kunststück, möchte man denken – wir sind ja sowieso unter Wasser. Nein, dieses Mal dürfen wir tatsächlich ab und an durchs Wasser waten. Es macht also Sinn, in einer aufgetunten Ganzkörper-Taucherglocke unterwegs zu sein. Und die sieht sehr schön aus. Nur schade, dass sie so selten und so schnell vorbei sind. Da hätte man vielleicht noch mehr rausholen können. Weitere Neuerungen sind weitere Waffen- und Gegnertypen. Allen voran die Big Sisters, das weibliche Pendant zu den altbekannten Kolossen. Sie kommen raus, wenn man eine Little Sister, die für einen Adam geerntet hat, wieder frei gibt und sind die toughesten Einwohner von Rapture. Dazu kommen noch bullige Typen, die deutlich mehr Schaden anrichten können als die Splicer, die durchgedrehten Leute mit Adam-Hunger.

Andere Big Daddys gibt’s natürlich auch noch. Bringt ihr sie um die Ecke, könnt ihr ihre Kleine Schwester adoptieren und sie für euch Adam ernten lassen. Mit der Droge könnt ihr Plasmide aktivieren, diese besonderen Fähigkeiten wie Elektroschocks oder Telechinese, die . Jetzt dürft ihr Plasmide und Waffen (Bohrer, Pump-Gun, Nail-Gun, Harpune) gleichzeitig verwenden. Wer mit dieser Möglichkeit gut umgehen kann, wird schnell mit den Angreifern fertig werden. Auch dann, wenn ihr eine Little Sister für euch Adam ernten lasst. Währendessen attackieren nämlich auch Splicer und stören. Wird der Schaden für die Kleine zu groß, hört sie auf und ihr müsst von vorne anfangen. Da macht es Sinn, die wilden Horden zuvor mit einer Kamera zu filmen. Je mehr Aufnahmen ihr von einem Feind macht, desto mehr Info bekommt ihr von ihm. Das schaltet Schadensboni frei, die den Kampf gegen sie erleichtern. Eine sehr coole Idee.

Neben den Maschinen, die ihr mit Adam bezahlen müsst, um Plasmide zu erkaufen, findet ihr Automaten, an denen ihr Munition, Versorgungsmittel oder Waffenupgrades bekommt. Weniger nett sind die Selbstschuss- und Wachanlagen, die euch fliegende Verfolger hinterher jagen. Es sei denn, ihr hackt diese Stationen und setzt sie gegen eure Feinde ein. Das gab es auch schon in Teil 1. Doch das Hack-Minispiel ist geändert worden. Statt Rohre zu verlegen, gilt es, Reaktionsschnelligkeit zu beweisen. Ein Pfeil in einer Skala bewegt sich schnell hin und her. Stoppt ihr ihn in einem blauen oder grünen Bereich, gilt das System als gehackt. Landet es nicht darin, ist das Minigame vorbei. Im schlimmeren Fall startet es sogar einen Alarm. Kleine Lust auf manuelle Manipulation? Es gibt auch Hackpfeile, die den Job für euch übernehmen.

Bei der Grafik gibt es kaum einen Unterschied zur ersten Version. Komisch eigentlich, denn in den 3 Jahren hat sich einiges getan und dieses verwaschene Ecken hätten die Programmierer ruhig schärfer machen können, mag man denken. Doch eine Verbesserung oder Änderung des Aussehens ist eigentlich nicht nötig. Die Mischung als Art-Decor-Umgebung und comichaftem Interieur inklusive Einwohner funktioniert immer noch sehr, sehr gut. Ein noch dickeres Kompliment aber an die deutsche Sprachausgabe und den Ton. Die Stimmen kennt man aus Funk und Fernsehen. Es waren Profis am Werk,, das hört man. Ebenso wie die Soundeffekte, die Schreie und der Hall klingen sie stets authentisch und tragen zum stimmigen Gesamtbild von Rapture bei. Die KI ist fordernd, jedoch vor allem für „Bioshocker“ kein großes Problem. Zumal man ja eh ohnehin in den nahen Vita-Kammern respawnd und sich die Gegner von dem bereits erlangten Schaden nicht erholen.

Auch in Teil 2 spielt die Moral eine gewisse Rolle. Adoptierte Little Sister können, nachdem sie für den Spieler Adam gesammelt hat, durch einen Schnellentzug gerettet oder ausgebeutet, also das letzte bisschen Adam herausquestscht. Da Adam so etwas wie die Währung des Spiels ist, wäre letzteres brutal, bringt einen aber schneller weiter. Wenn die Kiddies Leben lässt, erhält dafür ab uns an Geschenke. Für weitere Gewissensbisse verursachen Treffen mit einigen Rapture-Bewohnern, die einem böses wollen. Steht man den Protagonisten gegenüber, hat man die Wahl zwischen plattwalzen oder Leben lassen. Ersteres erfüllt Delta mit Genugtuung, zweiteres lässt ihr (wenn auch nur für kurze Zeit) Freunde gewinnen.

Als größten Kritikpunkt ist der Mangel an Neuem zu nennen. Das Gameplay hat sich kaum verändert. Zwar gibt es einige neue, gelungene Gegner und Waffen, doch manchmal kommt man sich vor, wie in einem Addon. Man kennt einfach schon zu viel. Klar treibt man sich immer noch in Rapture rum und da siehts eben aus, wie’s schon immer aussah. Doch ebenso wie die Entstehung etwa der Big Sister, die Kamera oder noch unerforschte Ecken wie der äußerst gelungene Karneval-Abschnitt hätten sich die Entwickler vielleicht einfallen lassen können. Auch die Lade- und Speicherzeiten sind zuweilen echt heftig, wobei sie sich insgesamt noch in Grenzen halten.

Nicht zu vergessen ist der Multiplayer. Wer wollte nicht schon mal mit Plasmiden gegen andere herfallen? Richtig umfangreich ist er nicht, aber es reicht, um immer mal wieder in die schön angelegte und ebenso stylischen Online-Welt zu gehen. Motivation kommt dabei vor allen durch das Level-System auf, das nach und nach immer neue Fähigkeiten und Waffe freigeschaltet.

Fazit:

„Bioshock 2“ richtet sich in erster Linie an die Millionen, die mit Nummer 1 ihren Spaß hatten. Der etwas andere Shooter hebt sich von der Masse durch die stimmige, kranke Atmosphäre ab, die durch brillante Optik und Soundeffekte erzeugt wird. Neulinge werden die Story zumindest nicht auf Anhieb verstehen. Dafür bekommen sie viel mehr Wow-Effekte geboten, denn Rapture fasziniert – auch alte Hase, weil man zwar irgendwie alles schon gesehen hat, die Inszenierung jedoch auf alle Fälle sehenswert ist.




Der Link zum Spiel: www.bioshock2game.com