SPECIAL
REVIEW: MOBY - LAST NIGHT
wie heißt es bei eminems „without you“ noch: „and
moby? you can get stomped by obie (...) it's over, nobody
listen to techno.“ jedem seine meinung, aber anhören
sollte sich selbst ein hiphopper mal das neue moby-album „last
night“. bildlicher könnten selbst er den ablauf
einer party-nacht nicht beschreiben,

denn eigentlich lässt sich die platte in drei teile
spalten: die ersten nummern sind zwar recht gemächlich,
gehen aber schon soweit nach vorn, dass beim cocktail-schlürfen
oder cabrio-fahren der fuss ins wippen kommt. so nach fünf
tracks wird’s deutlich heftiger und auch tanzbarer,
um dann am ende sehr chillig abzuglühen - eben so,
wie der gestrige abend hätte ablaufen können:
in vorfreude stylen, ganz relaxed in eine bar zum vorglühen,
dann ordentlich abzappeln, bis es dann am frühen morgen
ins bettchen geht. allen gemein ist der gewisse touch,
der mobys handschrift ausmacht. damit sind nicht die schon
typischen kompositionen gemeint, die aus vocal-samples,
schon fast trance-mäßigen flächen und einen
wummernden bass besteht.
es sind die kleinen überraschungen,
die es praktisch in jedem track gibt. da werden in langsame
lieder einfach breakbeats eingestreut, dann rappt einer,
plötzlich hört man eine dame auf französisch
trällern, . das sorgt für dafür, dass nie
langeweile aufkommt. wie ein roter faden ziehen sich dagegen
elemente durch die cd, die in vergessenheit geraten sind.
so heftig offene hi-hats und snares, diese piano-loops,
die 16-bit-schnipsel, die manchmal schon fast auf lo-fi
getrimmte melodien – das hat man schon ewig nicht
mehr gehört. das ist eigentlich mr. fingers und frankie
knuckles gepaart mit justice oder weniger bekannten franzosen.
da kommt man sich zuweilen vor, als würde man vor
dem c64 sitzen und vor „bubble bobble“ der
erkennungsmelodie der cracking-gruppe lauschen. kein wunder,
dass der zweite track „everyday it’s 1989“ heißt.

so gern etwas ältere semester die sounds vernehmen
werden, so schwer wird es jüngeren und moby-neulingen
fallen, zugang zum album zu bekommen. es klingt alles nicht
so, wie man es gewohnt ist. klar sind neben dem eingänglichen
und gelungenen „disco lies“ noch so drei lieder
dabei, die in diese oder die „why does my heart feel
so bad“-richtung gehen und sich als single-auskopplung
eignen würde, aber auch erst nach ein paar mal hören
ins ohr fressen. das ist keine kritik, nur der hinweis
darauf, dass der mensch, der die platte auf- oder den silberling
einlegt, offen für neues/altes sein sollte. dann wird
er viel spass mit mobys neuem werk haben. es ist in sich
geschlossen und kann aufgrund seiner aufteilung aber eben
auch zu den verschiedensten anlässen (zumindest auszugsweise)
gespielt werden. der veganer bringt wieder fleisch an den
abgekauten old school-house-techno-ambient-knochen. er
nimmt die versatzstücke seiner electro-nummern, nimmt
dazu das beste aus den 80ern und heute und bastelt was
neues daraus. und das noch so gekommt, dass ein konzeptalbum
herauskommt, das genau das widerspiegelt, was er zum ausdruck
bringen wollte: das auf und ab eines wochenendes. wo ist
eigentlich eminem?
|